05 Mai 2023 | Claudia Gratz

Praxistipp Lidschluss

 

Wie ein einfaches Hilfsmittel einen anhaltenden Lidschluss bei einer peripheren Fazialisparese während der Therapiesitzung aufrecht erhalten kann.

 

Das Problem

Bei einer peripheren Fazialisparese ist häufig das Auge von der teilweisen oder vollständigen Lähmung des M. orbicularis oculi betroffen. Ober- und Unterlid der betroffenen Seite verlieren dadurch ihr Reaktionsvermögen.
Die Patienten können sich nicht ausreichend gegen Wind, Sonne und Fremdkörper aus der Luft schützen, ein Kleinstellen oder rasches Schließen des Auges ist ihnen nicht mehr möglich.

Oft bleibt das Auge ganz geöffnet, weil auch der Lidschlag erloschen ist. Das immer geöffnete Auge trocknet aus und kann schweren Schaden dadurch erleiden.
Dem Schutz des Auges kommt in der Behandlung deshalb besondere Bedeutung zu.

 

Häufiger Augenlidschluss ist wichtig

Ein Behandlungsaspekt ist der Erhalt der passiven Beweglichkeit insbesondere des Oberlides, sowie ein Nachlassen der Spannung des Oberlidhebers. Das Auge sollte in der Behandlung so oft es geht mit Unterstützung passiv geschlossen werden.

Als Behandlungsposition eignet sich häufig zunächst die Rückenlage.
Gerade nach Mobilisationstechniken im Augenbereich, ist es wünschenswert, dass die Augen noch eine Weile geschlossen bleiben können, während andere Bereiche des Gesichtes behandelt werden. Nicht selten wird aber das betroffene Auge durch die Spannung des Lidöffners, des M. levator palpebrae superioris, teilweise oder ganz wieder aufgezogen.

 

Die Hände frei bekommen

Ein einfaches Hilfsmittels für einen anhaltenden Lidschluss Praktische Anwendung eines Hilfsmittels für einen anhaltenden Lidschluss

Damit der Therapeut seine beiden Hände für die weitere Behandlung des Gesichtes frei nutzen kann und nicht immer wieder zumindest eine Hand mit dem sich öffnenden Auge befasst ist, kann ein einfaches, selbstgemachtes Hilfsmittel einen anhaltenden Lidschluss unterstützen.

Ein einfaches Hilfsmittels für einen anhaltenden Lidschluss

Man nimmt einen Einmalhandschuh und füllt in zwei Finger so viel Wasser, dass man zwei traubengroße Ovale bekommt. Hier muss man ein bisschen ausprobieren, die 'Trauben' dürfen nicht zu prall sein. Dann macht man einen Knoten, so dass das Wasser nicht herauslaufen kann und schneidet den restlichen Handschuh ab.

Nachdem das Auge des Patienten passiv geschlossen wurde, legt man eine 'Traube' auf das Augenlid und die andere entlang der Naseninnenseite, auf die unteren Anteile des M. orbicularis oculi, die man zuvor etwas anhebt.
Das Wasser in den 'Trauben' bietet ein flächiges, leichtes Gewicht, weshalb das Oberlid nun eher geschlossen bleiben kann und das Unterlid eine leichte Stütze erfährt. Das Wasser kann kühl oder warm gewählt werden, je nachdem, was der Patient als angenehm rückmeldet.

Praktische Anwendung eines Hilfsmittels für einen anhaltenden Lidschluss

 

Für den Patienten zu Hause

Dazu angeleitet, eignen sich die beiden wassergefüllten 'Trauben' individualisiert auch für die Eigenanwendung durch den Patienten zu Hause, z.B. in einer Ruhezeit, liegend auf dem Sofa.

Die 'Trauben' sind gegebenenfalls wiederverwendbar. Mögliche Salben- oder Tropfenreste von Augenmedikamenten können mit etwas Spülmittel abgewischt werden.
Und für wiederholte kühle Anwendung legt man die Wassertrauben einfach in den Kühlschrank.